just my 2¢
Archiv für Oktober 2009
Aus der eigenen Mitte
28. Okt
Am gestrigen Abend berichtete das ZDF heute journal im Aufmacher über die konstituierende Sitzung des 17. Deutschen Bundestages und die, vom frisch gewählten Bundestagspräsidenten, an Politiker, Regierung und ARD und ZDF gerichtete “Schelte”. In der Anmoderation erklärte Anchorman Steffen Seibert auch, “morgen nämlich”, wähle der Bundestag “aus ihrer Mitte eine Kanzlerin, konnte früher auch ein Kanzler sein”. Auch, wenn dies vielleicht haarspalterisch sein mag, ist das nicht korrekt.
Korrekt ist, dass der Bundespräsident dem Bundestag einen Kandidaten zur Wahl vorschlägt und dieser muß kein gewähltes Mitglied des Bundestages (aus seiner Mitte) sein. Mehr noch, ist der Bundespräsident formal in seiner Wahl des Kandidaten unabhängig! Wählt der Bundestag diesen Kandidaten zum Kanzler, wird er vom Bundespräsidenten ernannt. Findet sich keine Mehrheit für den Kandidaten des Präsidenten, hat der Bundestag 14 Tage Zeit, selbst Kandidaten zu finden und mit der absoluten Mehrheit zum Kanzler zu wählen — einzig die Vorschläge für Kandidaten kommen dann aus seiner Mitte. Auch die Kandidaten für diesen zweiten Wahlgang müssen nicht aus “der Mitte” des Bundestages kommen!
Ein wenig genauer also darf das ZDF in seiner Beschreibung der Vorgänge schon sein, denn das, was Seibert da angekündigt hat und das was heute wirklich passiert sind zwei paar Schuhe.
Ich hätte ja gern das Video hier verlinkt, aber das Video in der ZDF Mediathek ist kaputt (Stream kann nicht gefunden werden) und bei Youtube findet es sich bisher auch noch nicht.
Die Deutsche Post
27. Okt
Seit nunmehr 5 Jahren wohne ich in der Mannheimer Innenstadt. Meine “Straße” heißt C 8 und meine Hausnummer ist die 5. Ich weiß wohl, dass sich das für jemanden, der das Mannheimer Quadratesystem nicht kennt, erstmal komisch anhört. So muß ich regelmäßig diversen Versendern erklären, dass die Adresse wirklich stimmt und die “Straße” C 8 in Mannheim existiert.
Dass dies aber seit neuestem auch auf die Deutsche Post zutrifft, war mir neu.
Neulich war ich bei meinen Schwiegereltern zu Besuch. Dort vergaß ich diverse Dinge, u. a. meine Brille (kann als Linsenträger schonmal passieren). Sie sollten mir die Sachen einfach per Päckchen zuschicken.
Die Mutter meiner Freundin gab das Päckchen bei der Post auf und erhielt es drei Tage später zurück. “Empfänger unter der angegebenen Adresse nicht zu ermitteln”. Daraufhin ging die Mutter meiner Freundin, mit dem Päcken bewaffnet, erneut zur Post um den freundlichen Postschaltermenschen darauf hinzuweisen, dass die Adresse korrekt ist und die Post das Päckchen bitte auch dahin schicken soll (der zweite Versuch nachtürlich ohne Kosten für sie). Das ficht den Postschaltermenschen mal gar nicht an. Er erklärte mit Bestimmtheit, dass eine derartige Adresse in Deutschland nicht existiere. Meine Schwiegermutter versuchte ihm klarzumachen, dass ihre Tochter dort nun schon seit Jahren wohnt und ja, auch regelmäßig Post erhält. So einfach aber, läßt sich ein Postschaltermensch nicht überzeugen.
Er beharrte auf seinem Standpunkt, der lieben Frau erklären zu wollen, dass das so nicht sein kann (vielleicht weil es nicht sein darf, dass er sich irrt)? Nach geschlagenen 10 Minuten Diskutiererei und der Unterstellung, meine Schwiegermutter erzähle Blödsinn, erklärte er sich dann aber doch bereit, wenigstens mal nachzuschauen, ob die Adresse nicht doch korrekt sein könne. Dies tat er und stellte fest, dass er irrte. Aber entschuldigen, sowas macht ein ordentlicher Postschaltermensch nicht! Um Gottes Willen!
Das Päckchen kam dann auch wirklich bei mir an — mit einem Aufkleber und dicker Aufschrift “Adresse ist korrekt!!!”
Ich will gar nicht wissen, wieviel Post ich nie erhalten haben, weil irgendein Verteilerzentrum der Meinung war, eine solche Adresse existiere nicht in Deutschland. Doch, verdammt, tut sie.
Schäuble und der Waffenhändler
26. Okt
Die Reaktion Merkels auf die Frage eines holländischen Journalisten nach ihrem Vertrauen zu Schäuble, der immerhin einst vergaß, dass er 100.000 DM in seiner Schublade hatte, ist eigentlich ein Skandal.
Aber auch nur eigentlich. Zum kotzen wird es, wenn man bedenkt, dass diese Frage eigentlich hätte kommen sollen von einem deutschen Journalisten. Abgrundtief ist, dass nicht die deutsche Presse daran erinnert, dass es hier um das Geld von 82 Mio. deutschen Bürgern geht. Ist der deutschen Journalie derartiges kritisches Hinterfragen peinlich oder ist sie dazu einfach nicht mehr fähig?
Und jetzt die 100.000 DM Frage: wenn Minister unter den einzelnen Resorts derart ausgetauscht werden könne, wie hoch kann dann ihre fachliche Qualifikation und Kompetenz in dem einen oder anderen Resort wohl sein? Na?
Naja, bei Merkel waren es keine 100.000 Mark, dafür strahlten die Castoren in ihrer Zeit als Umweltministerin. Aber das haben die meisten Journalisten eh schon vergessen oder verdrängt … Frei nach Adenauer: Was kümmert mich sein Geschwätz von Gestern.
Update: Nur, um noch klarzumachen, worum es damals ging:
