just my 2¢
Archiv für Mai 2010
Horst Köhler
31. Mai
Was hab ich heute nicht alles in den Medien zum Rücktritt Horst Köhlers gehört und gelesen? Er sei blass gewesen, er war dem Amt nicht gewachsen, solch ein Abschied sei respektlos gegenüber dem Amt, gar von einer Unverschämtheit (Hans-Peter Tiedje in N24) war die Rede. Weil heute also so ziemlich jeder Publizist meinte, irgend’ne Meinung zum Besten geben zu müssen, möchte ich hier nochmal die Möglichkeit ergreifen, darzustellen, warum ich finde, Horst Köhler war ein guter Präsident.
“Die Glaubwürdigkeit der Freiheit”
Vor allem wir im Norden müssen umdenken. Auf unserer Erde leben derzeit etwa 6 1/2 Milliarden Menschen. Nur rund 15 Prozent von ihnen leben in Umständen wie wir. Weit über zwei Milliarden Menschen müssen mit zwei Dollar pro Tag auskommen, eine Milliarde sogar nur mit einem Dollar. Wir sollten uns nicht länger einreden, das sei gerecht so. Sicherheit, Wohlstand und Frieden wird es auch in den Industrieländern dauerhaft nur geben, wenn mehr Gerechtigkeit in die Welt kommt. Wir brauchen eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten. Das heißt: Die Industrieländer – auch Deutschland – müssen sich fragen, was sich auch bei ihnen verändern muss, um der Welt eine gute Zukunft zu sichern.
[...]
Jeder ernsthafte Vorschlag muss ernsthaft gewogen werden. Das Ringen um die beste Lösung gehört zur Demokratie. Auch im Vorfeld einer Bundestagswahl gibt es aber keine Beurlaubung von der Regierungsverantwortung. Die Bevölkerung hat gerade in der Krise den Anspruch darauf, dass ihre Regierung geschlossen handelt und Lösungen entwickelt, die auch übermorgen noch tragfähig sind. Die Krise ist keine Kulisse für Schaukämpfe. Sie ist eine Bewährungsprobe für die Demokratie insgesamt.
[...]
Am Anfang steht die Frage: Wie konnte es zu dieser Krise kommen?
Noch kennen wir nicht alle Ursachen. Aber vieles ist inzwischen klar. Zu viele Leute mit viel zu wenig eigenem Geld konnten riesige Finanzhebel in Bewegung setzen. Viele Jahre lang gelang es, den Menschen weiszumachen, Schulden seien schon für sich genommen ein Wert; man müsse sie nur handelbar machen. Die Banken kauften und verkauften immer mehr Papiere, deren Wirkung sie selbst nicht mehr verstanden. Im Vordergrund stand die kurzfristige Maximierung der Rendite.
Auch angesehene deutsche Bankinstitute haben beim Umgang mit Risiko zunehmend Durchblick und Weitsicht verloren. Das konnte nur geschehen, weil sie den Bezug zu ihrer eigenen Kultur aufgaben: zu dem, was diese Häuser überhaupt erst zu Größe und Bedeutung geführt hatte – Sinn für Geldwertstabilität, Respekt vor dem Sparer und langfristiges Denken. Auch Banken können nur dauerhaft Wertschöpfung erbringen, wenn sie sich als Teil der ganzen Gesellschaft sehen und von ihr getragen werden. Wenn sie den Grundsatz unserer Verfassung achten: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll auch dem Allgemeinwohl dienen.
Doch das Auftürmen von Finanzpyramiden wurde für viele zum Selbstzweck, insbesondere für sogenannte Investmentbanken. Damit haben sie sich nicht nur von der Realwirtschaft abgekoppelt, sondern von der Gesellschaft insgesamt. Dabei geht es auch um Fragen der Verantwortung und des Anstands. Was vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht. Bis heute warten wir auf eine angemessene Selbstkritik der Verantwortlichen. Von einer angemessenen Selbstbeteiligung für den angerichteten Schaden ganz zu schweigen.
Derweil stockt das Blut in den Adern des internationalen Finanzwesens. Das hat überall Folgen, auch bei uns: Für Investitionen brauchen Unternehmen Kredite, und dafür müssen die Banken zusammenarbeiten. Aber sie misstrauen einander immer noch. Sie halten ihr restliches Geld fest. Die Finanzkrise stiftet Unsicherheit und lähmt weltweit den Unternehmungsgeist.
Wir erleben das Ergebnis fehlender Transparenz, Laxheit, unzureichender Aufsicht und von Risikoentscheidungen ohne persönliche Haftung. Wir erleben das Ergebnis von Freiheit ohne Verantwortung.
Aber Schuldzuweisungen und kurzfristige Reparaturen reichen nicht aus, wenn wir die tiefere Lehre aus der Krise ziehen wollen. Denn es gibt einen Punkt, der geht uns alle an. Obwohl der Wohlstand in der westlichen Welt, in Europa und auch in Deutschland seit den 70er Jahren beständig zunahm, ist auch die Staatsverschuldung kontinuierlich angestiegen. Man stellte Wechsel auf die Zukunft aus und versprach, sie einzulösen. Das ist bis heute nicht geschehen. Denn wir scheuten uns vor den Anstrengungen, die mit jedem Schuldenabbau verbunden sind. Wir haben die Wechsel an unsere Kinder und Enkel weitergereicht und uns damit beruhigt, das Wirtschaftswachstum werde ihnen die Einlösung dieser Wechsel erleichtern. Jetzt führt uns die Krise vor Augen: Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt.
Die Krise ging von den Industriestaaten aus – von denen, die sich bislang am stärksten fühlten. Und sie wirft ein Schlaglicht auf die Widersprüche, in die sich die industrialisierte Welt in den vergangenen Jahrzehnten verstrickt hat. Wir haben diese Welt selbst mitgestaltet. Aber wir finden uns immer weniger darin zurecht. So wuchs die Kluft zwischen den neuen Anforderungen der Wirklichkeit und unserem Anspruch, alles möge beim Alten bleiben.
Und wir haben uns eingeredet, es gebe einen Königsweg, diese Widersprüche aufzulösen: Wir haben uns eingeredet, permanentes Wirtschaftswachstum sei die Antwort auf alle Fragen. Solange das Bruttoinlandsprodukt wächst, so die Logik, können wir alle Ansprüche finanzieren, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind – und zugleich die Kosten dafür aufbringen, dass wir uns auf eine neue Welt einstellen müssen.
Die Finanzmärkte waren Wachstumsmaschinen. Sie liefen lange gut. Deshalb haben wir sie in Ruhe gelassen. Das Ergebnis waren Entgrenzung und Bindungslosigkeit. Jetzt erleben wir, dass es der Markt allein nicht richtet. Es braucht einen starken Staat, der dem Markt Regeln setzt und für ihre Durchsetzung sorgt. Denn Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb und von der Begrenzung wirtschaftlicher Macht. Sie lebt von Verantwortung und persönlicher Haftung für das eigene Tun; sie braucht Transparenz und Rechtstreue. Auf all das müssen die Menschen vertrauen können.
Dieses Vertrauen ist jetzt erschüttert. Den Finanzmärkten fehlte eine ordnende Kraft. Sie haben sich den Staaten entzogen. Die Krise zeigt uns: Schrankenlose Freiheit birgt Zerstörung. Der Markt braucht Regeln und Moral.
Und noch etwas müssen wir wissen: Freiheit ist ein Gut, das stark macht. Aber es darf nicht zum Recht des Stärkeren werden. Denn das ist der Haken an der Freiheit: Sie kann in denjenigen, die durch sie satt und stark geworden sind, den Keim der Selbstüberhebung legen. Und die Vorstellung, Freiheit sei auch ohne Verantwortung zu haben.
Freiheit ist kein Vorrecht, die besten Plätze für sich selbst zu reservieren. Wir wollen lernen, Freiheit nicht nur für uns zu nehmen, sondern sie auch anderen zu ermöglichen. Die Glaubwürdigkeit der Freiheit ist messbar: in unserer Fähigkeit, Chancen zu teilen. Nach innen. Und nach außen. Und in unserer Bereitschaft zur Verantwortung für den Nächsten und das Wohl des Ganzen. Wenn wir das schaffen, dann holen wir das Beste aus uns Menschen heraus, was in uns steckt.
[...]
(Quelle: “Die Glaubwürdigkeit der Freiheit” – Berliner Rede am 24. März 2009 von Bundespräsident Horst Köhler)
Schön, dass das mal jemand sagte, dem auch zugehört wurde. Diese Worte haben jetzt, ein Jahr später nichts an ihrer Aktualität eingebüßt.
Bundespräsident Köhler zurückgetreten
31. Mai
Wie ich gerade erfuhr hat Bundespräsident Horst Köhler seinen Rücktritt erklärt. Begründet wird der Rücktritt Köhlers wohl mit seinen umstrittenen Äußerungen zu Einsätzen der Bundeswehr um bspw. Handelswege zu schützen, oder wirtschaftlich wichtige Regionen zu stabilisieren (man könnte sie als Köhlers Militärdoktrin bezeichnen).
Update: Ich finde es schon irgendwie beschämend, wenn Hans-Herrmann Tiedje – immerhin ein ernstzunehmender Publizist – in N24 ironisch erklärt, Lena dürfe nicht Präsidentin werden, sie sei zu jung. Ich finde das Thema dann doch irgendwie zu ernst, um mir von Publizisten und Journalisten in seriöser Berichterstattung solch dämliche Scherze anhören zu müssen … Herrje
Update 2: Ich verstehe nicht ganz, wieso Horst Köhler zurückgetreten ist. Er hätte wissen müssen, dass seine Äußerungen zu Kritik führen wird. Und er hätte wissen müssen, in den Politik keinen Rückhalt zu haben. Seine zweite Amtszeit war nichts weiter als Schadensbegrenzung Merkels – hätte sie ihrem Kandidaten die zweite Amtszeit verweigert, hätte sie einen immensen Schaden davon getragen. Aber eigentlich wollte sie ihn gar nicht mehr. Zu oft hatte sich Köhler anfangs seiner ersten Amtszeit in die Tagespolitik eingemischt und der Berufspolitik die Leviten gelesen. Zwei Gesetzen hatte er in seiner ersten Amtszeit die Unterschrift verweigert – keine Alibihandlung wie bei den vorherigen Präsidenten.
Vor diesem Hintergrund sollte klar sein, dass Köhler in der Berufspolitik eben keinen Rückhalt mehr genießt und mit seinen Aussagen auch im eigenen Lager Kritik auslöst.
Meine persönliche Vermutung ist, er hatte die Schnauze voll, nichts ändern zu können, seine Aussagen nicht gewürdigt zu sehen und nun auch noch auf die Schnauze zu bekommen, nur weil er eine Wahrheit ausspricht. Und, ohne mir die Einschätzung der Linkspartei zu eigen zu machen (nichts läge mir ferner), hat Köhler nichts anderes als eine Wahrheit ausgesprochen:
Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganz regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.
Das ist exakt das, was die Bundeswehr mit ihren Anti-Piraten-Einsätzen vor Somalia macht. Das er dafür von der Politik Dresche bekommen würde, war klar – die mögen es gar nicht, wenn eine ernst zu nehmende Persönlichkeit die in der breiten Gesellschaft Respekt genießt, solche Wahrheiten ausspricht und der Politik das letzte Quäntchen Unterstützung abjagt.
Update 3: Fefe hat einen Artikel bei telepolis gefunden, aus dem klar wird, dass Köhler in seinem Interview nur wiedergegeben hat, was einst Volker Rühe (CDU) als Verteidigungsminister in seinen “Verteidigungspolitischen Richtlinien” festgelegt hat:
CDU-Minister Volker Rühe formuliert in seinen Verteidigungspolitischen Richtlinien (26.11.1992) als Auftrag der Bundeswehr: “Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen”. Deutschland gilt als “kontinentale Mittelmacht mit weltweiten Interessen”.
(Quelle: Telepolis)
Was wird mir gerade übel!
“Wir sind Lena”
30. Mai
Lena hat in Oslo gewonnen und ich komm nicht umhin, zuzugeben, dass ich mitgefiebert habe, mich gefreut habe. Schon als Lena das erste Mal die “USFO” Bühne betrat, sagte ich zu meiner Freundin, dass dieses Mädel weit kommt. Ich finde es auch toll, das Deutschland nach 28 Jahren den Sieg mal wieder errungen hat. Toll!
Was mich aber an Lenas und Raabs Erfolg am meisten begeistert ist, dass er komplett ohne BILD! stattfand. Lena gab der BILD! kein Interview, Raab schon lang nicht mehr. Man konnte es die letzten Wochen geradezu mit den Händen fassen, wie BILD! krampfhaft versuchte, auch ein Stückchen vom Kuchen abzubekommen in dem sie Aussagen aus anderen Zeitschrifen- oder Radio-Interviews zitierten und beschämt so taten, als seien sie Teil der Medien-Maschine. Waren sie aber nicht. Lena hat gezeigt, dass wenn man es richtig macht (wie Raab), die BILD! einfach obsolet ist. Danke Lena, danke Raab für die Deplatzierung der BILD!
(Siehe auch: ZAPP vom 26. Mai 2010)
Update: Die Ruhrbaron haben hier auch eine schöne Einschätzung veröffentlicht.
Ampel in NRW?
30. Mai
Wer glaub, die FDP habe das Höchstmaß an Dilettantismus erreicht, der irrt. Nach dem Ja-Nein-Ja-”Jetzt aber auf jedenfall Nein!” zur Ampel in NRW bringt Westerwelle die Ampel in NRW jetzt wieder ins Gespräch und hält sie jetzt doch wieder für möglich. Unglaublich! Die FDP ist in Punkto Kompetenz grad wirklich schwer zu unterbieten.
Nochmal Tauss
28. Mai
Ich will gar nicht mehr viel dazu schreiben – es war absehbar, dass Tauss nicht mit einem blauen Auge davon kommt. Markus Kompa fasst den Pressespiegel hier dazu gut zusammen.
Update: Beim Telemedicus gibt es eine Einschätzung des Urteils aus juristischer Sicht. Hier gibts Tauss’ persönliche Erklärung zum Urteil. Und hier gibts einen Vorort-Bereicht zur mündlichen Urteilsverkündung
Deutschland – ein Paradies
28. Mai
Deutschland ist ein Paradies – ein Steuerparadies.
Von 1958 bis 1998 lagt der Spitzensteuersatz immer über 50%, in der längsten Zeit bei etwa 53%. Und dann kam Gehard Schröder und Rot-Grün. Seither ging er permanent zurück, bis er bei 42% (45% ab einem Einkommen von 250.001 € bei leidigen oder 500.002 € bei verheirateten) ankam.
1997 lief die Vermögenssteuer aus. Sie wurde vom Bundesverfassungsgericht kassiert, weil sie dem Gleichbehandlungsgrundsatz widersprach. Im Detail ging es um eine unterschiedliche Bemessung von Immobilien und Geldvermögen. Im letzten Jahr ihrer Erhebung brachte die Vermögenssteuer noch 4,5 Mrd. €. Geld, dass seither fehlt.
2005 führte die Große Koalition die sog. Reichensteuer ein – ein Aufschlag auf die Einkommenssteuer. Ab einem jährlichen Einkommen von 250.001 € bei ledigen (500.002 bei verherirateten) steigt der Steuersatz von 42% auf 45%. Diese sog. “Reichensteuer” brachte im Jahr 2008 rund 790 Mio. € (ja, Mio, nicht Mrd!) und 2009 nur noch 610 Mio. €.
Lt. OECD erhebt die Bundesrepublik gerade einmal 0,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an vermögensbezogenen Steuern. 0,9%! Das entsprach in 2008 rund 21 Mrd. €. Nur Österreich, Tschechien, die Slowakei und Mexiko erheben weniger bezogen auf deren BIP (siehe OECD).
Das Steuerparadies Schweiz erhebt 2,2% ihres BIP auf Vermögen. 1,3% mehr als Deutschland. Wenn also die Schweiz ein Steuerparadies für vermögende ist, dann ist Deutschland was? Ein Steuer-Superparadies? In Frankreich sind es schon 3,2% und in den USA (haltet Euch fest), sind es 4,1%.
Angenommen, Deutschland würde seine vermögensbezogene Besteuerung mit der Schweiz gleich ziehen (womit wir immer noch ein Steuerparadies wären), dann wäre das bei einem mit 2008 vergleichbaren BIP stolze 52,8 Mrd. €. Oder anders ausgedrückt, mit einem Schlag wären alle Sparanstrengungen um die Schuldengrenze einzuhalten obsolet! Damit würde sich Deutschland zwar immer noch weiter verschulden, aber in besseren Zeiten wäre dieses Land recht nah am ausgeglichenen Haushalt — wenn nicht gar im Plus.
Als Lösung des Dilemmas der Verschuldung wäre es also jetzt eher angebracht, die Einnahmenbasis zu verbreitern, statt an unsinnigen Stellen wie der Pendlerpauschale zu kürzen. Die Pendlerpauschale ist in Zeiten, in denen Sprit 1,40 € kostet und Fahrtwege von 1-1,5 Stunden nicht ungewöhnlich sind, eine Entlastung gerade für die kleinen und mittleren Einkommen. Fällt die Pendlerpauschale weg, haben eben diese Haushalte weniger Geld für Ausgaben und können somit weniger konsumieren – das wiederrum hat direkten Einfluss auf die Steuereinnahmen aus dem Einzelhandel. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, den ermäßigten Steuersatz abzuschaffen – aber statt beide Steuersätze irgendwo in der Mitte zusammenzuführen, soll er gleich auf 19% steigen. Damit steigen die Preise für Grundnahrungsmittel, Wasser (aus der Leitung). Und es entzieht gerade den unteren und mittleren Einkommen noch mehr Geld, das im Konsum oder in der privaten Altersvorsorge fehlt.
Und natürlich Hartz IV darf auch nicht fehlen. Auch da will man ran.
Wir blaßen den Banken Milliarden in den Arsch, weil sie systemisch seien. Wir schützen privates Kapital indem wir Verluste solidarisieren, den Banken die Möglichkeit geben weiter zu machen wie zuvor und für die bösen Papiere Bad Banks zu gründen. Hinter jeder Ecke sieht diese Regierung (vor allem unter Schäuble als Innenminister) Terroristen. Aber auch nur einen schuldigen für Verluste hochriskanter Geldmarktgeschäfte zu finden ist verdammt schwer. Und wenn über Steuererhöhungen nachgedacht wird, denkt man natürlich zuerst an die Mehrwertsteuer, statt daran, die Vermögenssteuer endlich wieder zu erheben (natürlich, nachdem man die Auflagen des BVG erfüllt hat).
Oder um es mit Fefe zu sagen: “Wo bleibt eigentlich die Revolution”?
Update: Das passt ja dazu, wie Arsch auf Eimer…
Update 2: Dieses Buch bietet viel erhellendes zu diesem Thema:
Karstadt und Hightstreet
28. Mai
Ich finde es ja schon erschreckend, dass Highstreet jetzt versucht, Karstadt zu erwerben. Wer nicht weiß, was es mit Highstreet und Karstadt auf sich hat, schaue sich das Video (und die folgenden drei Teile) bei Youtube an.
Pervers aber aus deren Sicht wirklich sinnvoll. Jetzt haben sie nicht nur die Standorte, sondern auch noch die Firma dazu und das für günstig. Da halte ich es ganz mit Franz Müntefering:
Unbekannte Politiker
27. Mai
Kennt eigentlich jemand Clemens N.? Oder Thomas P.? Oder Matthias S.? Nein?
Diesen drei sind zwei Dinge gemeinsam. Sie sind Politiker einer der Christparteien – N. und P. waren MDLs der CDU und S. war MDB der CSU. Und: Sie wurden rechtskräftig wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt. Und eigentlich haben die drei Fälle noch etwas gemeinsam – ihr Fall wurde nicht im vorhinein durch eine redselige Staatsanwaltschaft in der Öffentlichkeit breit getreten und die drei so quasi per Öffentlichkeit vorverurteilt. Im Falle des CSU Abgeordneten war es wohl sogar so, dass:
Der CSU-Mann wurde dafür aber nicht in einem öffentlichen Strafverfahren verurteilt – die Justiz erledigte das ohne Verhandlung per Strafbefehl. Über das Strafmaß schweigt das Gericht. Nach Informationen der SZ steht jedoch fest: Wäre die Strafe als Urteil verhängt worden, hätte Matthias S. automatisch seinen Beamten-Job verloren.
(Quelle: Süddeutsche Zeitung)
Demnach musste erst der Dienstherr gegen den Beamten klagen, bevor er freiwillig seinen Dienst quittierte.
P. geriet im Herbst 2007 in die Fänge der Staatsanwaltschaft. Er behielt sein Mandat bis Februar 2008 und schied dann “offiziell” wg. gesundheitlicher Probleme aus dem sächsischen Landtag aus. Erst mit dem Strafbefehl wurde sein Fall publik.
Ganz anders im Fall Tauss (wie bekannt). Ich möchte Jörg Tauss weder in Schutz nehmen, noch seine Taten bagatellisieren. Es geht mir einfach darum, wie dieser Fall abgelaufen ist im Vergleich zu anderen Persönlichkeiten aus der Berufs-Politik. Man könnte wirklich auf den ein oder anderen Gedanken kommen, wenn man sich den Fall anschaut und die Art, wie Tauss noch vor der heißen Phase der Diskussion um das Zugangserschwerungsgesetz im Bundestag abgesägt und in der Öffentlichkeit vorverurteilt wurde.
Zum Beispiel sowas hier. Ich stimme Jörg Mönikes in seinem Plädoyer für “Grenzen für die Öffentlichkeitsarbeit von Staatsanwaltschaften” vollkommen zu. Auch seinen Aufsatz ”Die Wahrnehmung schlägt die Fakten: Der Fall Tauss und seine mediale Inszenierung” empfehle ich zu lesen.
Zu viele Schwaben
27. Mai
Eine Einschätzung, die mir aus der Seele spricht:
Wenn die anderen mehr sparen, müssen wir mehr ausgeben. Sonst herrscht in Europa Stillstand – beziehungsweise die Deflation.
(Quelle: http://www.zeit.de)
Den ganzen Artikel gibt es hier.
*smile*
27. Mai
In meinem RSS-Reader stach mir gerade folgendes ins Auge:
Die Liberalen haben große Schwächen bei Frauen und in den Großstädten, ihnen fehlt ein aktuelles Programm. Ihr größtes Problem ist aber der Vorsitzende.
(Quelle: http://www.zeit.de)
Schön, dass es die Zeit auf den Punkt bringt
Mal schauen, wie lange die FDP noch brauchen wird, um das auch zu erkennen. Vielleicht, wenn sie in der nächsten Umfrage bei 1% angelangt sind?
Den ganzen Artikel (lesenswert) gibt es hier.
Roland Koch: Erinnerungen an ihn…
26. Mai
Weil die Presse gerade voll des Lobes, der Lobhudelei und recht unkritischer Nachrufe auf den Politiker Koch ist, freut es mich beim Spiegelfechter wahrhaftige Erinnerungen an Roland Koch zu lesen. Koch, wie er als Ministerpräsident leibt und lebte:
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat gestern seinen Rücktritt erklärt. Bevor man über diese Ankündigung jubelt, sollte man sich die Worte seiner Rücktrittsrede auf der Zunge zergehen lassen: Süffisant zitiert er eingangs aus seiner Geburtstagrede aus dem Jahr 2008, in der er im Gangsterjargon hat verlautbaren lassen, dass er in seiner Arbeit »noch etwas zu erledigen« hätte…. Dann schaut er auf seine »Arbeit« zurück und lässt uns wissen, dass alles »zu meiner vollsten Zufriedenheit geschehen« sei. »Mehr als zwölf Jahre …(und) eine wirklich tolle hessische CDU« liegen bald zurück und ein Wechsel in die Wirtschaft als Belohnung warten auf ihn. Was und wen hat der hessische Ministerpräsident Roland Koch »erledigt«?
(Quelle: Spiegelfechter.com)
»Koch geht – das System Koch bleibt« gibt es in voller Länge hier.
